Hilfe! Der erste Mitarbeiter!

Hilfe! Der erste Mitarbeiter!

Es ist eine sehr schwere Entscheidung! Jeder Selbstständige kann sich sicherlich erinnern, als er gezwungen war, seinen ersten Mitarbeiter zu suchen, weil die Arbeit für einen alleine zu viel geworden ist. Man versucht davor alles, um genau diesen Schritt zu verhindern. Der erste Mitarbeiter lässt 100 Mal hinterfragen, ob man sich das wirklich leisten kann und katapultiert den/die One Man/Woman Show erstmals in die Rolle des Arbeitgebers.

Arbeitgeber klingt als erstes wichtig und spannend, aber wenn man selbst in der Situation ist, einer zu werden, macht es im ersten Schritt nur Angst und nicht mehr. Die Angst davor, für ein Schicksal zumindest ein wenig Verantwortung zu übernehmen, die Angst davor, sich den Arbeitnehmer mit allen Nebenkosten doch nicht leisten zu können und die Angst davor, plötzlich mehr an Mindestumsatz bringen zu müssen, weil ja die fixen Kosten gestiegen sind.

Letztlich kommt man dem ganzen aber auch nicht aus. Wenn man wachsen möchte und das ist ja auch der Sinn einer selbstständigen Tätigkeit, kommt man nicht umhin, sich Unterstützung zu suchen. Und, jetzt kommt die gute Nachricht, es ist viel einfacher als man es sich vorstellt. Ist es einmal beschlossene Sache und Selbst & Ständig macht sich an die Suche nach dem perfekten Partner (am Beginn ist es mehr eine Partnerschaft als eine Arbeitgeber Arbeitnehmer Beziehung), dann weitet sich der Horizont für’s eigene Geschäft. Die Freude wird immer größer auf die sehnlichst erwartete Unterstützung und die Gedanken kreisen sich um neue Möglichkeiten, neue Projekte, die man angehen kann, weil die Arbeitsleistung sich schlagartig verdoppelt hat.

Was soll mein erster Mitarbeiter überhaupt können?

Aber bleiben wir am Boden. Bevor der neue Höhenflug beginnen kann, muss der/die Richtige gefunden werden und das ist oft gar nicht so leicht. Ganz wichtig: was soll der erste Arbeitspartner tun? Soll es jemand mit Erfahrung sein, soll es jemand mit meiner Qualifikation sein oder vielleicht jemand, der genau das tun sollte, was ich nicht so gut beherrsche? Letzteres ist meistens ein heißer Tipp. Selbst und Ständig ist gerade zu Beginn ein/e hochmotivierte/r SpezialistIN, der/die sich so und so in seine/ihre Profession nicht zu viel hineinquatschen lassen möchte. Somit: ein Partner muss her, der die Tätigkeiten übernimmt, die einem selbst entweder gar keinen Spaß machen oder, die man einfach nicht gut kann…hier zeigt sich fast immer eine gewisse Trägheit und Unfähigkeit bei Selbst & Ständig bei allen Belangen der Buchhaltung, Angebote verfassen und Rechnungen schreiben, Organisation (Selbst und Ständig ist ziemlich oft ein Chaot), Adresswartung, Terminieren und Ordnung halten. Das heißt, der/die perfekte AssistenIN muss her!

Wo suchen?

Ist das einmal genau definiert und die Jobdescription verfasst, kommt die nächste Frage auf. Wo platziere ich mein erstes Inserat und, nicht unwichtig, wo kann ich es mir überhaupt leisten, mein erstes Jobinserat zu platzieren? Hier hat sich in den letzten Jahren unendlich viel getan. War es vor einigen Jahren einfach unausweichlich in einer der Tageszeitungen zu inserieren, so werden wir heute von Jobplattformen, sozialen Netzwerken, die ebenso die Möglichkeiten bieten, einen Mitarbeiter zu suchen und Jobapps schier überschwemmt. Das kann ein wenig verwirren, bietet aber auch die optimale Erstauswahlmöglichkeit an. Wird ein Mitstreiter gesucht, der auch auf Sozialen Medien zu Hause ist und auch dafür verantwortlich sein wird, so sind die vielen Jobplattformen auf Facebook ein heißer Tipp. Hier finden sich zumeist junge kreative Einsteiger. Ein Teilen des Jobs im eigenen Profil hat uns schon den einen oder anderen „highflyer“ gebracht, der hochmotiviert, aufgrund von gemeinsamen Bekannten, bei uns begonnen hat. Auf XING oder LinkedIN tummeln sich die schon ein wenig Erfahreneren. Die großen Job Online Plattformen sind bei uns erst die dritte Wahl.

Für den ersten zu schaffenden Arbeitsplatz aber nicht uninteressant ist auch die Unterstützung des AMS. Es macht auf jeden Fall Sinn, sich hier zu erkundigen, ob die ein für Selbst & Ständig qualifizierter Anwärter zur Zeit arbeitslos gemeldet ist. Ich selbst habe meine erste „Seele“ über das AMS gefunden. Das feine daran war, dass sie mir auch für die ersten drei Monate gefördert wurde und ich in dieser Zeit keine Kosten zu tragen hatte. Und noch etwas  dazu: ich habe mit dem AMS nur wirklich gute Erfahrungen gemacht. Natürlich kommt der eine oder andere, der gar keinen Job haben möchte, aber dafür kann das AMS nichts. Ansonsten war bzw. ist die Zusammenarbeit immer sehr professionell.

Das Vorstellungsgespräch – auf was wir achten

Große Unternehmen haben vorgefertigte Bewerbungsprozedere um Mitarbeiter zu bewerten. Manchmal bin ich darauf fast ein wenig neidig, denn wir haben so etwas in 20 Jahren nicht geschafft. Aber trotzdem finden wir sehr oft auf den ersten Versuch hin unseren idealen Mitarbeiter. Dazu sehe ich das erste Bewerbungsgespräch eher nur als erstes vorsichtiges Abtasten, aber noch nicht als entscheidungswirksam. Der/die BewerberIN ist meistens so nervös, dass es unfair wäre, hier sofort zu urteilen. Die Menschen sind so unterschiedlich, manche verkaufen sich einfach perfekt und sind dann aber eine herbe Enttäuschung. Andere wieder bringen kaum ein Wort heraus und entpuppen sich bei der Arbeit als wahre Wunderwutzis…

Was wir in den letzten Jahren für uns herausgefunden haben, dass es besser ist, den/die BewerberIN mehrere Tage bis zu zwei Wochen bei uns mitarbeiten zu lassen. Das hält zwar alle anderen ein wenig auf, aber sie können sich gleich einmal „beschnuppern“, was für eine im nächsten Schritt, schnelle Integration ins Team sehr wichtig ist. Auch entscheidet dann das Team, wen wir bei uns haben möchte.

Aber es dreht sich ja hier um den ersten Mitarbeiter, das heißt das Team, das aufgehalten wird, ist lediglich Selbst und Ständig, was nicht zu unterschätzen ist, weil Selbst und Ständig ist schon so überlastet, dass er/sie sich trotz Angst vor Kosten und Verantwortung dazu entschlossen hat, einen Mitarbeiter aufzunehmen. Somit ganz wichtig: der Zeitpunkt sollte schlau gewählt sein. Der erste Mitarbeiter braucht Zeit, Zeit für die Entscheidung, wer es werden wird aber dann erst recht Zeit für die Einschulung. Denn ohne Einschulung wird der oder die Neue nicht wirklich unterstützen können.

Einschulen nicht vergessen

Training on the job ist gut! Aber es ist nicht alles. Jeder Mitarbeiter hat es verdient, dass man sich einige Tage mit ihm/ihr genau beschäftigt und alles, was einem wichtig ist, die verwendeten Systeme, die aktuellen Kunden, die eigene Philosophie und die Erwartungen, die man in den neuen „Arbeitspartner“ hat, bespricht und klar definiert. Besonders letztes, die Erwartungen sind ganz besonders wichtig und schützt beide Seiten vor Enttäuschungen.

Es geht los!

die Firma ist plötzlich um 100 % gewachsen

Endlich wieder mehr Zeit für die Kunden, für die kreative Arbeit, für neue Ideen. Die Erleichterung ist groß und so schnell kann man gar nicht schauen, schon ist der erste Mitarbeiter gar nicht mehr wegzudenken. Man denkt mit einem Schmunzeln zurück, dass man sich so lange nicht getraut hat, den Schritt in Richtung Arbeitgeber zu setzen und genießt die Möglichkeit Tätigkeiten zu delegieren.

Und genau dieses Delegieren ist es, was manchen ganz viel Schwierigkeiten macht. Dazu kann nur gesagt werden: Nimm dich nie so wichtig und unersetzbar, dass du glaubst, fast alles selbst machen zu müssen. Erstens gibt es wirklich nur ganz wenige Genies auf der Welt, die unersetzbar sind und zweiten überbewertet man seine eigene Leistung viel zu oft. Der Grund dieser Unsicherheit beim Delegieren liegt meiner Meinung darin, dass die Herangehensweise an einen Job oft sehr unterschiedlich ist. Was aber letztlich stimmen soll, ist das erfolgreiche Endergebnis. Deswegen mein Tipp: Lass mal machen, ausser du arbeitest am „offenen Herzen“ und bewerte erst dann.

In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß mit dem/der ersten neuen MitarbeiterIN, der/die  übrigens ganz oft ein treuer und nicht mehr wegzudenkender Partner für das Unternehmen wird.

Und: So schwer fällt die Entscheidung nie wieder und so schnell geht auch Wachstum nie wieder 🙂

 

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