Selbst und ständig auf Urlaub?

Selbst und ständig auf Urlaub?

Dürfen Selbstständige denn überhaupt auf Urlaub gehen? Vier Wochen habe ich zumindest hier geurlaubt und keinen neuen Blogbeitrag für Euch, meine bereits 10 Abonnenten geschriebe (Danke dafür!).  Ja, es ist in Ordnung. Ja, Selbstständige müssen auch auf Urlaub gehen. Sie sollten sogar ganz schnell auf Urlaub gehen, wenn Sie folgende Zustände haben:

  1. Die Kunden und Mitarbeiter (egal in welcher Reihenfolge) nerven. Das zeigt sich am ehesten daran, dass man das Telefon nicht mehr so gerne abhebt, wenn einer der Genannten anruft oder wenn man spontan unwirsch auf ein eingehendes e-mail antworten möchte (was man dann natürlich eh nicht tut). Es zeigt sich auch daran, dass man sich Zeit für ein Angebot lässt (geht gar nicht!!). Die Mitarbeiter den Zustand spüren lassen ist mindestens genauso unakzeptabel und besonders dumm. Denn solche Launen übertragen sich erfahrungsgemäß ungebeten und in kürzester Zeit auf alle, die mit einem arbeiten. Ihr kennt sicherlich solche Firmen, in denen man über Kunden nicht so gut spricht und sie das ganze Jahr über als notwendiges Übel angesehen werden. Meiner Theorie nach liegt der Grund einzig darin, dass der Chef nicht auf Urlaub ging, als das begonnen hat…also, seid Ihr mal soweit: Urlaub, raus, Ruhe, Abschalten. Meiner Erfahrung nach in diesem Fall zumindest für 10 Tage, dann sieht das Selbstständigenleben wieder rosig aus!
  2. Facebook und Co wird zur mühsamen (nota bene) Pflicht (denn Pflicht ist es wohl immer). Bei den vielen Postings, die kommentiert, geliked u.s.w werden  müssen, schleicht sich der böse Gedanke ein „….diese Selbstdarsteller“…ja, das ist nämlich bei Facebook so, es geht um die Selbstdarstellung und das gilt natürlich auch für einen selber. Also, dann einfach raus, ein paar Tage reichen bei diesem Zustand bereits und dann macht die ganze Sache wieder Spaß und man kann’s mit social Media wieder getrost aufnehmen.
  3. Du verfällst in die „Aufschieberitits“….kann ich auch morgen machen, denkst du dir. Dasselbe denkst du dir dann morgen und übermorgen. Wenn du dann ganz fies bist, dann delegierst du es viel zu spät an einem deiner Mitarbeiter und möchtest das Ergebnis natürlich ruckzuck am Tisch haben. Es ist ja dringend geworden (weil du dir so lange Zeit dafür gelassen hast). Leute, das geht auch nicht, ist nicht fair zu den Mitarbeitern und macht den Job zu einem Spießrutenlauf zwischen Ausreden (haben Sie mein mail nicht gesehen?), schlechtem Gewissen (nicht gut) und falscher Beschuldigungen (sorry, ich warte hier noch auf ein Zusatzangebot von xy und der lässt sich einfach viel zu lange Zeit….). Daher: Aufschieberitis ist meiner Meinung nach ein relativ schwerwiegender Urlaubsgrund und gehört ebenso mit mindestens 10 Tagen Urlaub und Auszeit beantwortet. Danach kann sich ein echter Selbstständiger gar nicht mehr halten vor lauter Arbeitswut.
  4. Du kannst schlecht oder nicht einschlafen, weil dir so viel im Kopf herum schwirrt. Ich denke, das kenne wir alle ab und zu. Bei mir tritt da nur ein, wenn ich zu lange am Abend am Notebook gesessen bin. Jetzt kenne ich mich schon ausreichend, dass ich weiß: länger am PC oder Notebook als 20.00 h sitzen, heißt schlecht einschlafen können. Das ganze ist natürlich auch wissenschaftlich erwiesen. Es ist das Melatonin, dass wir mit den hellen Strahlen der Geräte (gilt eigentlich auch für den Fernseher) wieder vertreiben und dann drehen sich die Gedanken im Kreis, manchmal im Wirbelwind in deinen Gehirnwindungen und toben sich so richtig aus…fast wie kleine Kinder, die überdreht sind…so kommt mir das zumindest vor. Wenn das also nur ab und dann vorkommt, finde ich zumindest, kann man damit leben. Wir sind Kopfarbeiter und sind natürlich von der Arbeit nicht wirklich ausgepowert. Es fehlt unserer Arbeit die physische Komponente, wenn wir nicht regelmäßig Sport machen, den ich leider viel zu oft auslasse…Fazit: wird der Zustand chronisch: Ab in den Urlaub, viel schlafen, das Leben genießen und nicht an die Arbeit denken. Dann ist das ganze recht rasch wieder behoben.
  5. Die Angst vor Misserfolg zeigt sich. Das ist ein Zustand, den ich gar nicht mag, weil er nicht nur das eigene Wohlbefinden trübt, sondern auch die Qualität der Arbeit und der notwendigen Entscheidungen angreift. Angst ist ein ganz schlechter Zustand, kennen wir leider auch alle ab und zu, und gehört im Moment erfolgreich bekämpft. Unterdrücken bringt nichts, die Gedanken schleichen sich sonst immer wieder durch das Hintertürchen rein, stehen dann da und irritieren, obwohl man sie nicht gleich als Angst ausmachen kann. Somit: Die Angst ist wohl am besten mit einem richtigen Aktivurlaub zu bekämpfen. Auspowern ist hier angesagt, viel körperliche Anstrengung ist hier das Wundermittel gegen diese böse Unsicherheit, die meiner Meinung nach bei denkenden Menschen immer wieder aufsteigt und auch ganz gesund ist. Denn bis zu einem gewissen Grad ist sie ja auch gut, macht dankbar dafür, dass es funktioniert, macht kreativ und rege und hält uns am Laufen.

So, das war nun meine Liste, wann ihr auf jeden Fall auf Urlaub gehen solltet. Selbstständige sollten keine Helden sein, die damit prahlen, nie auf Urlaub zu gehen. Das war vielleicht in der Generation unserer Eltern angesagt und chick, heute ist es nicht mehr so. Zeig, dass du auf dich schauen kannst und es wird niemanden stören. Erst ab einer durchgehenden Urlaubsdauer von 6 Wochen und mehr, könnten sich hier schlechte Nachrede und natürlich auch der Neid einstellen. Aber ich muss gestehen, ich kenne keinen einzigen Selbstständigen, der so lange fort ist. Mich „kribbelts“ nach spätestens 10 Tagen bereits wieder und ab da muss ich mich regelrecht zurück halten nicht mal schnell zwischendurch wieder loszulegen. Dazu macht mir mein Job einfach zu viel Spaß. Manche finden es vielleicht bemitleidenswert. Ich finde es großartig, dass ich mich nach 30 Jahren immer noch auf meinen Job freuen, wenn ich nur 10 Tage pausiert habe!

In diesem Sinn: Genießt den Job und den wohlverdienten Urlaub in vollen Zügen. Bis zum nächsten Mal!


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